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Retusche & Composing

Portrait-Retusche: natürlich statt überarbeitet

Mit natürlicher Portrait Retusche entfernst du störende Details, ohne Haut, Augen und Ausdruck künstlich wirken zu lassen.

26. Februar 2025 7 Min. Lesezeit

KI-generiert

Die Haut ist sauber, aber das Gesicht wirkt plötzlich wie aus Kunststoff. Die Augen leuchten unnatürlich, die Zähne sind kreideweiß und jede Pore ist verschwunden. Genau an diesem Punkt kippt eine Portrait Retusche von professionell zu überarbeitet. Gute Retusche fällt nicht dadurch auf, dass sie sichtbar ist. Sie sorgt dafür, dass der Mensch auf dem Bild ausgeruht, präsent und glaubwürdig wirkt.

Das Ziel bestimmen, bevor du retuschierst

Bevor du zum Reparaturpinsel greifst, kläre den Verwendungszweck. Ein Businessportrait für die Unternehmenswebsite braucht meist eine zurückhaltendere Bearbeitung als ein Beautybild für ein Magazin. Auch Bildgröße und Ausgabemedium sind entscheidend. Was bei einer kleinen Darstellung auf dem Smartphone stimmig aussieht, kann in einem groß gedruckten Portrait zu glatt wirken.

Arbeite grundsätzlich mit einer Kopie der Originaldatei und bewahre die Ebenenstruktur. Öffne eine RAW Datei zunächst in Camera Raw. Dort korrigierst du Belichtung, Weißabgleich, Tiefen, Lichter und gegebenenfalls die Objektivkorrekturen. Diese Korrekturen bilden die technische Grundlage, sie sind noch keine eigentliche Retusche.

Beurteile das Bild immer wieder bei unterschiedlichen Ansichten:

  • Bei 100 Prozent erkennst du Hautdetails und saubere Übergänge.
  • Bei kleiner Ansicht beurteilst du den Gesamteindruck.
  • Schalte Retuscheebenen regelmäßig aus und ein.
  • Frage dich bei jeder Korrektur: Entferne ich eine vorübergehende Störung oder verändere ich ein prägendes Merkmal?

Ein Pickel, eine Hautrötung oder ein Fussel auf dem Sakko sind meist temporär. Sommersprossen, Muttermale, Narben und natürliche Hautstruktur gehören dagegen zur Person. Entferne solche Merkmale nur, wenn dies ausdrücklich gewünscht ist.

Die sinnvolle Reihenfolge der Portrait Retusche

Eine feste Reihenfolge verhindert, dass du Korrekturen mehrfach machen musst oder Details verlierst. Diese Abfolge hat sich in unserer Praxis bewährt:

SchrittAufgabeZiel
1RAW Entwicklung und ZuschnittBelichtung, Farbe und Bildausschnitt festlegen
2Grobe RetuschePickel, Fussel, Staub und auffällige Hautunreinheiten entfernen
3Hauttöne und lokale FleckenRötungen und Helligkeitsunterschiede angleichen
4Frequenztrennung, falls nötigStruktur und Farbe getrennt bearbeiten
5Dodge and BurnVolumen und unruhige Helligkeiten behutsam ausgleichen
6Augen, Lippen und ZähneBlick und Ausdruck dezent optimieren
7GesamtabstimmungKontrast, Farbe, Schärfung und Ausgabe prüfen

Wichtig ist der zweite Schritt: Entferne sichtbare Einzelstörungen, bevor du mit Frequenztrennung oder Dodge and Burn arbeitest. Sonst verteilst du Flecken oder Strukturen unnötig über mehrere Ebenen und erschwerst dir die Korrektur.

Hautunreinheiten sauber entfernen

Lege über dem Bild eine neue leere Ebene an und nenne sie beispielsweise „Basisretusche“. Aktiviere beim Reparaturpinsel in der Optionsleiste bei „Aufnahme“ die Einstellung „Aktuelle und darunterliegende Ebenen“. So arbeitest du nicht direkt auf den Bildpixeln.

Für kleine Pickel, trockene Hautstellen oder einzelne Härchen ist der Reparaturpinsel meist die beste Wahl. Wähle eine Pinselgröße, die nur wenig größer als die zu entfernende Stelle ist. Ein zu großer Pinsel übernimmt zu viel Umgebung und erzeugt schnell fleckige Flächen.

Der Bereichsreparaturpinsel eignet sich für einfache, isolierte Störungen. Bei Kanten, etwa an Nasenflügeln, Lippen oder Augenbrauen, ist der Reparaturpinsel kontrollierbarer, weil du mit gedrückter Alt Taste eine saubere Quelle aufnimmst. Für klar abgegrenzte Partien wie Falten in Kleidung oder einzelne Haare am Hintergrund kann auch der Kopierstempel sinnvoll sein.

Entferne nicht jede Falte. Besonders unter den Augen und um den Mund herum geben feine Linien dem Gesicht Charakter. Reduziere nur störende Schatten, tiefe einzelne Knicke oder sehr unruhige Stellen. Wenn du eine Falte vollständig entfernst, wirkt die Haut oft flächig und die Mimik verliert an Glaubwürdigkeit.

Frequenztrennung nur bei echtem Bedarf einsetzen

Die Frequenztrennung trennt Farb und Helligkeitsverläufe von der feinen Hautstruktur. Sie kann hilfreich sein, wenn die Haut fleckig ist, aber Poren und feine Härchen erhalten bleiben sollen. Sie ist kein Pflichtschritt und keine Abkürzung für eine natürliche Retusche.

Du brauchst zwei Kopien der Bildebene. Die untere Ebene enthält später Farbe und Tonwerte, die obere Ebene die Struktur. Benenne sie eindeutig, etwa „Farbe“ und „Struktur“.

Auf der Ebene „Farbe“ verwendest du den Gaußschen Weichzeichner. Wähle den Radius so, dass Poren verschwinden, Konturen von Augen, Nase und Lippen aber noch klar erkennbar bleiben. Es gibt keinen festen Pixelwert, weil Auflösung und Bildgröße entscheidend sind.

Für die Ebene „Struktur“ verwendest du „Bild anwenden“. Bei 16 Bit Dateien nutzt du als Quelle die weichgezeichnete Ebene, den Modus „Subtrahieren“, Skalieren mit 2 und Versatz mit 0. Bei 8 Bit Dateien wählst du „Hinzufügen“, ebenfalls mit Skalieren 2 und Versatz 0. Stelle die Füllmethode der Strukturebene anschließend auf „Lineares Licht“.

Auf der Farbebene kannst du nun mit dem Lasso Werkzeug kleine Hautbereiche auswählen, die Auswahl weich machen und sie sehr zurückhaltend mit dem Gaußschen Weichzeichner angleichen. Arbeite in kleinen Bereichen, nie über große Gesichtszonen hinweg. Alternativ hilft ein weicher Pinsel auf einer leeren Ebene im Modus „Farbe“, wenn du lokale Rötungen mit einem passenden Hautton übermalst.

Auf der Strukturebene entfernst du verbliebene kleine Unebenheiten mit dem Reparaturpinsel. Achte besonders auf Übergänge an Nasenflügeln, Kinn und Wangen. Sobald Poren gleichförmig aussehen oder sich wiederholen, war die Bearbeitung zu stark.

Dodge and Burn für Volumen statt Plastikhaut

Dodge and Burn bedeutet, einzelne Stellen aufzuhellen oder abzudunkeln. Damit gleichst du unruhige Helligkeiten aus, ohne die Hautstruktur zu verwischen. Diese Technik braucht Geduld, liefert aber häufig natürlichere Ergebnisse als starke Weichzeichnung.

Besonders kontrolliert arbeitest du mit zwei Einstellungsebenen „Gradationskurven“:

  1. Erstelle eine Gradationskurven Ebene und ziehe die Kurve leicht nach oben. Diese Ebene hellt auf.
  2. Erstelle eine zweite Gradationskurven Ebene und ziehe die Kurve leicht nach unten. Diese Ebene dunkelt ab.
  3. Kehre bei beiden Ebenen die Ebenenmasken um, sodass sie zunächst schwarz sind.
  4. Male mit einem weichen weißen Pinsel bei geringer Deckkraft in die Masken.

Helle kleine dunkle Flecken auf, etwa Schatten unter einzelnen Hautunreinheiten oder harte Übergänge unter dem Auge. Dunkle überhelle Stellen minimal ab, beispielsweise glänzende Punkte auf Stirn, Nase oder Wange. Folge dabei den vorhandenen Lichtverhältnissen. Ziel ist nicht, das Gesicht neu zu modellieren, sondern störende Unterbrechungen zu reduzieren.

Arbeite mit sehr niedriger Pinseldeckkraft und vielen kurzen Pinselstrichen. Zoome regelmäßig heraus. Wenn du bei kleiner Ansicht sofort erkennst, wo du gemalt hast, ist der Effekt wahrscheinlich zu stark.

Augen und Zähne dezent optimieren

Augen ziehen den Blick zuerst an. Entferne kleine rote Äderchen im Augenweiß nur zurückhaltend mit dem Reparaturpinsel. Das Augenweiß darf nicht reinweiß werden, denn es enthält natürliche Schatten und Farbnuancen.

Für etwas mehr Klarheit legst du eine Einstellungsebene „Gradationskurven“ an, hellst sie minimal auf und maskierst den Effekt auf Iris und Augenweiß. Reduziere anschließend die Deckkraft der Ebene. Die Iris kannst du mit einer zweiten, sehr dezenten Gradationskurven Ebene etwas kontrastreicher machen. Vermeide harte Schärfung, übertriebene Sättigung und künstliche Lichtpunkte.

Bei Zähnen ist Gelb meist das Problem, nicht Helligkeit. Erstelle eine Einstellungsebene „Farbton/Sättigung“, wähle bei „Bearbeiten“ den Bereich „Gelbtöne“ und reduziere die Sättigung vorsichtig. Maskiere die Korrektur auf die Zähne. Helle Zähne nur minimal auf, sonst verlieren sie ihre natürliche Struktur und passen nicht mehr zum restlichen Bild.

Der letzte Kontrollgang entscheidet

Vor dem Export gruppierst du deine Retuscheebenen und schaltest die Gruppe aus und wieder ein. Prüfe dabei nicht nur einzelne Details, sondern Gesichtsausdruck, Hautcharakter und Gesamtwirkung. Besonders hilfreich ist eine kurze Pause: Nach einigen Minuten siehst du Übertreibungen deutlich leichter.

Kontrolliere abschließend diese Punkte:

  • Sind Poren, feine Härchen und natürliche Hautstruktur noch sichtbar?
  • Wirken linke und rechte Gesichtshälfte ausgewogen, aber nicht identisch?
  • Sind Augen und Zähne glaubwürdig und nicht auffällig weiß?
  • Bleiben charakteristische Merkmale der Person erhalten?
  • Funktioniert die Retusche auch bei kleiner Bildansicht?

Portrait Retusche ist weniger eine Sammlung spektakulärer Werkzeuge als eine Frage guter Entscheidungen. Wenn du nur korrigierst, was den Blick wirklich stört, bleibt die Person im Bild erkennbar und präsent. Passende Photoshop Seminare und Termine findest du bei uns auf cmt.de.

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